„Musik im Blut – 20 Bärbel Wachholz-Hits live“
Sonnabend, 9. Juni 2012, 14.30 Uhr, Angermünde
Das wird ein Knüller: das 3. Schlagerfest „Bärbel Wachholz“ zu den 20. Uckermärkischen Blasmusiktagen Angermünde mit einer Starparade des Ostens: Peter Wieland, Julia Axen, Regina Thoss und Hans-Jürgen Beyer, begleitet von den Oderländer Musikanten
„Wann ich das letzte Mal mit einem Orchester gearbeitet habe? Das ist Jahre her, Jahre.“ Sagt Julia Axen. Ein Schatten huscht für einen Moment über das Gesicht der Sängerin, doch im nächsten Moment strahlt es wieder, und die Augen leuchten. „Ach, ist das schön. Wieder ein- mal live mit einer Band singen!“ Einst war das Alltag für Julia Axen. Damals, 1955, als sie blutjung an der Ostsee als Berufssängerin begann. Mit Orchestern stand sie im Studio für Aufnahmen bei Rundfunk und Schallplatte. Mit Orchestern ging sie auf Tournee. In der DDR, in der Sowjetunion, in so manch anderem Land. Die Zeiten haben sich geändert. In Studios aufwendig produzierte Halbplaybacks enthalten auf CD jederzeit abrufbar die notwendigen Begleitmusiken, der Interpret gibt nur noch live seine Stimme dazu.
Doch im Saal der früheren Dorfgaststätte Crussow ist es wie in alten Zeiten. Es ist Sonntag, der 3. Juni, Probe für das 3. Schlagerfest „Bärbel Wachholz“ mit Julia Axen, Peter Wieland, Regina Thoss, Hans-Jürgen Beyer und den Oderländer Musikanten. „ 20. Uckermärkische Blasmusiktage Angermünde – Das Stadtfest“ heißt es am 8. und 9. Juni in Angermünde und das Schlagerfest von 14.30 bis 17.30 Uhr wird einer der Höhepunkte des kommenden Sonn- abends sein. Eine Starparade des Ostens mit Interpreten, die bis heute aktiv auf der Bühne stehen und das Publikum mit ihren Liedern begeistern.
Und eine Stunde lang von 15 bis 16 Uhr werden sie gemeinsam an eine Kollegin erinnern, mit der sie einst alle auf der Bühne standen – „Musik im Blut – 20 Bärbel Wachholz-Hits live“. Bärbel Wachholz, am 20. Oktober 1938 in Angermünde geboren und später von Eberswalde aus die Welt der Musik erobernd. Kaum 18-jährig katapultierte sie sich 1957 an die Spitze der Schlagerstars und sollte dort ein Dutzend Jahre verbleiben. Rund 500 Lieder sang sie, mehr als 50 Schallplatten entstanden, in wenigstens 100 Fernsehsendungen und vermutlich mehre- ren hundert Rundfunkübertragungen war sie zu hören, gewann bei nationalen und internationalen Festivals Preise.
Peter Wieland, Julia Axen, Regina Thoss und Hans-Jürgen Beyer singen nun Wachholz- Erfolge, live begleitet von den Oderländer Musikanten. Ein Programm mit so großem Auf- wand, das war neu. Schließlich mussten auch die Arrangements für die Band geschrieben werden. Bürgermeister Wolfgang Krakow gefiel das neue Konzept, er unterstützte es. Vor allem auch dank der Förderung durch Bauunternehmer Hans Lausch aus Angermünde konnte es umgesetzt werden.
Dieter Janik – mit seinen Bands begleitete er viele Jahre Interpreten wie Andreas Holm, Tho- mas Lück und auch Hans-Jürgen Beyer – arrangierte die Wachholz-Hits; für die vier Stars, für die Oderländer Musikanten und deren Sängerin Heidi Rades erledigte das Orchesterleiter Die- ter Grenz. Zur Probe ist auch Dieter Janik gekommen: „Es ist immer besser, man spricht über die Arrangements, dass alle Intentionen umgesetzt werden.“ Als erster tritt Peter Wieland ans Mikrofon. Der gebürtige Stralsunder singt „Weil er ein Seemann war“. Diese Melodie schrieb Freddy Quinn-Hitlieferant Lotar Olias 1959 noch zur Zeit der offenen Grenze zwischen DDR und BRD für die blonde, 20 Jahre junge Schönheit. Und dann den ersten Wachholz-Hit von 1957 „Verliebt und geliebt sein“ von Gerhard Honig. „... ist herrlich, erst glaubt ich, es wär’Träumerei, doch dann spürt ich am Schlag meines Herzens, dass doch alles Wirklichkeit sei...“ Ein 55 Jahre altes Lied einer Kollegin, kein eigenes Repertoire – und doch hat es Peter Wieland noch im Kopf. „Ich habe die Bärbel und ihre Lieder sehr gemocht.“ Er schwärmt: „Es gab seit dem 2. Weltkrieg keine Sängerin in Deutschland mit dieser Begabung, bis heute nicht.“ Und singt weiter„Verliebt und geliebt sein ist herrlich, wie reich bin ich, seit ich darf sagen, ich liebe und werde geliebt...“
Zwei Wachholz-Lieder singt auch Regina Thoss. „Natürlich, ich war damals noch ein Schul- mädchen, als Bärbel ihre große Zeit hatte. Und als ich 1966 beim Schlagerfestival der Ostseeländer gleich mit einem Sieg meine Karriere als kaum 20-jährige Sängerin starten konnte, da war sie immer noch ein großer Star, schon 10 Jahre im Geschäft und doch auch erst 28. 1966 landete sie mit ‚Einmal wieder Tango mit dir tanzen‘ einen Riesenhit, den ich dann 1976 beim Rundfunk neu aufnahm. Schon mit 15 Jahren sang ich mit Begeisterung ihre Lieder, zum Beispiel ‚Treu sein’. Doch bei Musikwettbewerben legte man mir nahe, besser Volkslieder zu singen.“ Hans-Jürgen Beyer reiste aus der Nähe von Leipzig nach Crussow. „Ich habe Bärbel Wachholz sehr verehrt, sie hatte eine großartige Stimme. Die Single ‚Damals‘ war meine allererste Schallplatte überhaupt.“ Dieses Lied möchte er gern zum 75. Geburtstag der Sängerin am 20. Oktober 2013 zur Eröffnung der neuen Wachholz-Ausstellung singen. Diesmal sind es „Wann kommst du zu mir“, das Lied von der A-Seite der „Damals“-Schallplatte, und „Amigo“. Auch dieses Lied wird er mit dem Originaltext singen: „Ich hatte überlegt, daraus Amiga zu machen, aber das klingt nicht so gut, deshalb singe ich lieber das Original."
Dem Keyboarder der Oderländer Uwe Sommer sagte der Name Wachholz zunächst nicht so viel. „Ich habe erst einmal im Internet recherchiert. Es sind tolle Lieder, die wir hier spielen. Dieser Swing, das hat schon was. Ich habe selten Gelegenheit, solche Musik zu machen, da ich meistens mit Rockbands unterwegs bin.“
Auch für Schlagzeuger Ingo Schiwek bringt die Wachholz-Show eine schöne Abwechslung in den musikalischen Alltag. „Wann kann ich heute schon mal den Besen einsetzen? Hier geht es. Es wäre schön, wenn solche Musik-Zeiten wiederkämen.“ Orchestersängerin Heidi Rades gehört fast von Anfang an dem Orchester an, seit fast 30 Jahren. Mit Elan singt sie die stim- mungsvollen Lieder „Gitarren im Mai“ und „Der Fehler lag bei mir“. Diesen Text findet Heidi Rades bemerkenswert: „Wann gibt eine Frau schon gegenüber dem Mann zu, dass sie Fehler gemacht hat?“ Und lacht.
Zum Schluss vereinen sich die Solisten zum Chor und singen von 1961 „Lebe wohl – auf Wie- dersehn“. Für diesen Gerd Natschinski-Titel hat Hit-Texter Dieter Schneider („Kleiner Vogel“, „Gold in deinen Augen“, auch „Gitarren im Mai“ und und und) aus dem Ruhestand heraus einen neuen Text geschrieben – und dabei die schöne Titelzeile „Lebe wohl – auf Wiedersehn“ von Rudolf-Günter Loose bewahrt.
Der letzte Notenschlüssel fällt in den Kasten, die Probe ist geschafft, eine Show mit Selten- heitswert entstanden. Das gibt’s nur einmal, das hat selbst Berlin noch nicht gesehen. Und Langhausen erst recht nicht.
Programm-Info 3. Angermünder Schlagerfest „Bärbel Wachholz“
Sonnabend, 9. Juni 2012, Bühne am Rathaus, 14.30 – 17.35 Uhr
- 14.30 Konzert Hans Jürgen Beyer „Tag für Tag“
- 15.00 „Musik im Blut – 20 Bärbel Wachholz-Hits live“ mit Peter Wieland, Julia Axen, Regina Thoss, Hans-Jürgen Beyer und den Oderländer Musikanten
- 16.00 Pause mit Hirsch-Siegerehrung
- 16.10 Julia Axen „Eine Welt ohne dich“
- 16.30 Peter Wieland „Der alte Wolf“
- 16.50 Regina Thoss „Die Liebe ist ein Haus“
- 17.10 Oderländer Musikanten mit Heidi Rades
- 17.30 Tschüs
Text und Fotos: © Michael-Peter Jachmann

Julis Axen, Peter Wieland, Hans-Jürgen Beyer und Regina Thoss während einer kleinen Probenpause in Crussow bei Angermünde am Sonntag 3. Juni 2012

Die Oderländer Musikanten in Crussow am Sonntag, 3. Juni 2012, in der Probenpause:
v.l. Ingo Schiwek (Schlagzeug), David Rolof (Baß), Aki Sebastian (2. Trompete), Heidi Rades (Sängerin), Jürgen Mietzner (1. Trompete), Uwe Sommer (Klavier, Keyboard), Dieter Grenz (Posaune, Orchesterleiter), Roberto Schumann (Gitarre) und Holger Schilling (Saxophon)
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